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Fantasien

Fantasien laden körperliche sexuelle Vorgänge mit Bedeutung auf. Sie produzieren Spannung, indem Geschichten, aber ebenso Gedankensplitter und unzusammenhängende Fragmente in ein erotisches Skript...

Fantasien laden körperliche sexuelle Vorgänge mit Bedeutung auf. Sie produzieren Spannung, indem Geschichten, aber ebenso Gedankensplitter und unzusammenhängende Fragmente in ein erotisches Skript eingebaut werden. Man kann sich selbst eine Rolle in der imaginierten Szene geben, oder als Zuschauer*in agieren. Die Akteur*innen können bekannt, fremd oder gar gesichtslos sein. Die Bilder speisen sich aus Gesehenem, Gelesenem, Erinnerten, Gehörten, Erlebten oder eben ausschließlich aus Erdachtem. Vielleicht mischt die Choreografie der Szene Inhalte verschiedenen Ursprungs: Eine reale Erfahrung aus der Kindheit wird in der Fantasie mit einem Bild aus einem Porno verschränkt und mit dem Liebhaber und der besten Freundin als Darsteller*innen besetzt.

Was für wen der wesentliche sexuelle Turn-On ist, ist so vielfältig und unterschiedlich wie das gesamte sexuelle Profil einer Person. Manche Menschen haben gleich ein ganzes Repertoire an Fantasien, die sie wie Videos an- und ausschalten, vor- und zurückspielen, gleichzeitig oder abwechselnd laufen lassen, oder aber als einzelne Standbilder einfrieren können. Andere wiederum haben genau eine Fantasie, die sich über die Jahre nicht verändert und vielleicht schon seit der Jugend besteht. Immer ist es aber so, dass die Fantasierenden das dramaturgische Konzept bestimmen: Timing, Atmosphäre, Frequenz, Wiederholung, Handlung, Inhalt, Akteur*innen und Rollen.

Warum man von einer Situation sexuell erregt wird, hängt von unseren sinnlichen, emotionalen und intrapsychischen Erfahrungen und der Bedeutung, die wir ihnen geben, ab. Fragt man Menschen nach dem was sie erregt, erzählen die meisten von inneren Bildern und Szenarien, die sie real nicht erleben. Selten wird der bekannte “Alltags-Sex" mit dem Partner/der Partnerin im Kopf inszeniert. Oft geht es um Geschichten, die von der Überwindung eines Hindernisses handeln und Verbotenes einbeziehen. Oft geht es um das, was man gerade nicht hat.

Ein Hindernis kann nun sein, dass man in Sehnsucht nach einem Menschen schwelgt, zu dem man eine physische, emotionale oder geografische Distanz hat. Die Unsicherheit, die Hoffnung und das Ungewisse erhöhen die Erregung. Das was man nicht hat, gewinnt an Bedeutung und wird symbolisch überhöht. Ein anderes Hindernis kann sein, dass man sich etwas vorstellt, das verboten ist, das auf gesellschaftlich-kultureller Ebene, ebenso wie auf der Beziehungsebene Normen und Werte verletzt: Zum Beispiel Sex mit der Chefin, oder mit der besten Freundin der Ehefrau, oder mit dem Pfarrer, oder mit einem Hund. Klassiker sind auch die Themen Macht und Ohnmacht. In vielen Fantasien geht es um Status(-verletzungen), Erniedrigung, Schmerz, Dominanz und Unterwerfung.

Auch das Unbekannte und Fremde bieten Stoff: Eine neue sexuelle Praktik, eine Rolle, die man noch nie hatte, ein anderer kultureller Hintergrund, ein Mensch, den man noch nicht (gut) kennt etc. Oft geht es bei all dem auch um Ambivalenzen und die Überwindung von Ambivalenzen. In der Fantasie darf man gefahrlos zögern - wieder und wieder. Man darf ausprobieren und dann einen Rückzieher machen. Balancieren am schmalen Grad des Wollens und Nichtwollens erzeugt Spannung. Und Spannung erzeugt Erregung.